Melodien, Harmonien, Tonsysteme

   
 

Mit 8 Melodietönen verfügt die Naturtonreihe im Teilbereich der Töne 8 - 16 über einen Ton mehr als die gewohnte Tonleiter. Obertonsängern ist diese Reihe vertraut, doch für das an das herkömmliche Tonsystem gewöhnte Ohr scheint dies gewöhnungsbedürftig. Überraschend schnell jedoch stellt sich das Gehör meist auf die neuen Töne ein, und der Umgang mit ihnen wird rasch zur Selbstverständlichkeit.

Oberton-Melodien werden den weißen und farbigen Tasten gebildet. Ihre Intervalle sind nahezu spannungsfrei, weil sie alle harmonisch miteinander in Beziehung stehen. Insofern eignen sich diese Töne auch vorzüglich zur Harmoniebildung - diese ist nicht allein auf die farbigen Tasten beschränkt.

Ebensowenig ist die Melodiebildung auf die vorhin genannten 8 Tasten ( weiß und farbig )beschränkt: durch Hinzunahme der schwarzen, chromatischen Tasten können wesentlich reizvollere melodische Gestalten entwickelt werden - mit ihnen kommt Farbigkeit und Spannungsentwicklung ins Spiel!
So entwickelt sich ein Auf- und Ab von Spannung und Entspannung, durch Mehrstimmigkeit entstehen Spannungs-Intervalle, die nach einer Auflösung drängen oder in ein anderes spannungsreiches Intervall weitergeführt werden.

Besonders durch Ändern des Grundtons und durch Kombinationen (Spieltechnik/Programme) werden weitere, diffenziertere Spannungen erzeugt, die kompositionstechnisch ein reiches Betätigungsfeld bieten.
Ob im vertikalen Zusammenklang oder in horizontaler melodischer Führung - die musikalischen Möglichkeiten des neuen Keyboard sind unerschöpflich!

Tonsysteme

Die neue Tastatur wurde analog zur Naturtonreihe entwickelt. Neben der Naturton-Musik (www.naturton-musik.de) können die verschiedenen Tonsysteme der europäischen und außereuropäischen Musikkulturen angelegt werden (Einzeltastenbelegung). Daß nunmehr 16 statt bisher 12 Tasten pro Oktave zur Verfügung stehen, erweist sich dabei als großer Vorteil.

Auch ohne Veränderung der ursprünglichen Tonhöhen sind fremde Tonsysteme spielbar. So läßt sich das fünfstufige javanische Slendro aus Unter-und Obertonreihen darstellen - es müssen dabei nur die farbigen Harmonie-Tasten gespielt werden:

 

 
 

 

  Und auch für den Blues gibt es neue spieltechnische Möglichkeiten. Lediglich F (- 53 C) und
A (+ 43 C) müssen bei dem folgenden Beispiel angeglichen werden:
 

 

 

 

Naturtontechnik (s.auch: www.naturton-musik.de)

Der grundlegende Unterschied zum herkömmlichen Tonsystem und seiner Kompositionstechniken besteht darin, daß durch die unterschiedlich großen Tonstufen eine Vielzahl von absolut neuen Intervallen gebildet werden und bisher nie gehörten Mehrklängen entstehen - von daher stehen alle Wege in eine neue Musik und in ein neues Musik-Hören und -Erleben offen.
Das neue Keyboard erleichtert den Umgang mit dem neuen Tonmaterial, das unser bestehendes Tonmaterial ergänzen und in noch kaum vorstellbarem Maß erweitern wird, beträchtlich: spielerisch lassen sich die neuen Klangwelten erschließen.

Kompositionstechnisch besteht eine wesentliche Vereinfachung darin, daß Zusammenklänge statt mit Noten exakt mit Zahlen dargestellt werden können - nicht mit komplizierten Cent-Zahlen, sondern in
Folgen kleiner, ganzer Zahlen, die einen spielerischen Umgang mit ihnen erlauben.

Die Zahlenfolge 8-11-14 beispielsweise gibt einen Dreiklang an, der die Intervalle 11/8, 14/11 und 7/4 enthält. Sehr schnell wird man damit vertraut, daß es sich dabei um das 11.Naturton- Intervall 11/8 ("Alphorn-Fa"), eine große Terz 14/11 und die Naturseptim handelt. Durch die Angabe des Grundtons (in dem folgenden Beispiel "C") wird er auf einer Tonebene fixiert, und um die Oktavlage und gleich-
zeitig die Grundstimmung anzugeben, wird die Frequenz des Ausgangs-Grundtons zu Beginn festgelegt - beispielsweise C1 = 32 Hz.

 


Zum Komponieren mit Naturtönen können alle bewährten Kompositionstechniken mit herangezogen, neue Kompositionstechniken erprobt werden. Beispielsweise erhalten Kettenbildungen durch die sich verändernden Tonabstände einen besonderen Reiz; von der elektronischen Musik her bekannte Konstruktionen wie Seitenbänder, Summationstöne etc können in die Komposition ebenso einfließen wie notierte Differenztöne oder "künstliche" Differenztöne.

Modulationen sind innerhalb der Naturtonreihen nur in einer Richtung durchführbar (Obertöne), und eine Rückkehr zur Ausgangstonart ist daher nicht mehr möglich - es sei denn, man verwendet Untertonskalen und die aus ihnen resultierenden Klänge, die zunächst nur hypothetischer Art sind, aber wie selbstverständlich zum Klingen gebracht werden: sie haben durchweg "Moll-Charakter".
Mit diesem Kunstgriff ist eine freie Bewegung in einem Klangraum möglich, in dem jede Tonebene
mit den anderen in Verbindung steht, und in dem es keine Grenzen mehr gibt. (www.naturton-musik.de)

Schreibweise:

So sehr die Ziffern-Schreibweise (Angabe der Töne/Intervalle/Akkorde in Zahlen) das Komponieren erleichtert, so schwer tut sich der Interpret, der die herkömmliche Notenschrift gewöhnt ist. Da aber die Abstufungen in den neuen Tonsystemen sehr viel feiner sind als im konventionellen temperierten System, sind zusätzliche Angaben zur Größe der Abweichung von den temperierten Tonstufen not-
wendig. Als einfachste und für die Praxis völlig ausreichende Schreibweise haben sich die von Prof. Dr.Horst-Peter Hesse (Salzburg) vorgeschlagenen Zeichen bewährt, die vor den Alterierungen notiert werden:

 

 

Diese wenigen Zeichen genügen, um beispielsweise die Naturtonreihe mit hinreichender Präzision zu notieren.